Sie war(en) da
- Julia Bugram
- 22. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
ist ein Herzensprojekt und ich möchte Dir etwas mehr hierzu erzählen. Der Ausstellungsraum FRAU* schafft Raum (Nussdorfer Str. 4, 1090 Wien) widmet sich der Auseinandersetzung mit Gewalt an Frauen* und verwandelt den ehemaligen Ort eines Gewaltverbrechens in einen Ort des Erinnerns, der Solidarität und der Prävention. Als erster feministischer Kunstraum dieser Art in Wien macht er Erfahrungen, Geschichten und strukturelle Zusammenhänge sichtbar und bietet künstlerischen Positionen Raum, die gegen das Vergessen und Schweigen wirken.
Die Jury des 3.Open Call (eine Ausschreibung adressiert an Künstler*innen die sich mit dem Thema tiefgreifender befassen wollen) setzte sich zusammen aus Julia Hartmann (Kuratorin), Stefanie Huhndorf (Menschenrechtsbüro der Stadt Wien), Heidemarie Kargl (Frauenservice der Stadt Wien), Ana Halina Ringleb (Künstlerin) und Nina Schedlmayer (Kunstjournalistin). Den Jurorinnen wurden alle Einreichungen anonymisiert präsentiert - auf dieser Basis wurde die Projektvergabe erteilt und ich freue mich unso mehr mit meinem Vorhaben überzeugt zu haben. Anbei das Konzept zu Sie war(en) da - für dich zum Nachlesen:
Sie war(en) da
partizipative Audioinstallation mit visueller Erinnerungscollage
Jede Frau*, die durch ein Femizid aus dem Leben gerissen wurde, hinterlässt Spuren – flüchtig, leise, verstreut. Wir sind schockiert über die Ereignisse, aber in der Öffentlichkeit bleiben die betroffenen Stimmen oft ungehört. „Sie war(en) da“ ist eine begehbare Audioinstallation, die versucht, diesen Stimmen Raum und Resonanz zu geben. Das folgende Konzept setzt sich aus drei Ebenen zusammen. Einer Audioinstallation, einer Möglichkeit zur Partizipation, sowie gezeichneter Erinnerungen.
Flüstern gegen das Vergessen (Audioinstallation)
Im Innenraum des Kunstraums sind mehrere kleine Lautsprecher angebracht. Sie geben Stimmen wieder von Menschen, die Opfer (wie Nadine W.) kannten – Erinnerungen, Sätze, Geräusche, die mit dem Leben von Frauen, die Opfer eines Femizids wurden und seither nicht mehr in unserer Mitte sein kann, verbunden sind. Beispiele: „Sie hat beim Kaffee am Morgen immer gerne Zeitung gelesen.“ „Ich erinnere mich daran, wie gerne sie gelacht hat.“ „Sie war so hilfsbereit.“
Durch die Stimmen entsteht ein mehrschichtiges, atmosphärisches Flüstern, das den Raum trägt, ohne je laut zu sein. Besucher*innen sind eingeladen zuzuhören.
Partizipation via WhatsApp
Besucher*innen werden eingeladen persönliche Erinnerungen an Opfer per Sprachnachricht (zB. via WhatsApp) zu teilen. „Kanntest du sie? Oder eine wie sie? Möchtest du deine Erinnerung teilen?“ steht über einem QR-Code, der zu Teilnahme einlädt.
Die eingehenden Nachrichten werden gesammelt, bearbeitet und ggf. anonymisiert (um Identitäten zu schützen) und in die Installation integriert. So wächst das Erinnerungsbild im Zuge der Ausstellungsdauer. Die Stimmen werden lebendiger und vielschichtiger - durch echte Stimmen, im Hier und Jetzt. Gelebte Erinnerungskultur.
visuelle Spurensicherung
Gezeigt wird eine Collage aus gezeichneten Erinnerungen in div. Formaten, die im Raum hängen (von der Decke abgehängt). Eine vielschichtige Dokumentation - basierend auf Gesprächen, Nachrichten und Geschichten entstehen reduzierte Zeichnungen (Bleistift und Fineliner) mit tagebuchartigem Charakter. Sie machen sichtbar, was kaum in Worten zu fassen ist und zeigen Fragmente eines zerrissenen Lebens.
„Sie war(en) da“ versteht sich nicht als Anklage oder Heldinnenverklärung. Es ist ein leiser Gegenentwurf zum Vergessen. Ein kollektives Denkmal aus Stimmen, Erinnerungen und Bildern. Ein Raum, in dem man bleibt, weil man hinhören will.






