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© Tulika Kim
Artist Statement
In meiner künstlerischen Praxis verarbeite ich persönliche wie kollektive Erinnerungen – besonders solche, die uns Frauen* über Generationen hinweg geprägt haben: Erfahrungen von Sichtbarkeit und Unsichtbarmachung, von Widerstand und Anpassung, von Zuschreibungen, die nicht selbst gewählt waren. Diese Auseinandersetzung speist sich aus einer tiefen Emotionalität: aus Wut ebenso wie aus Hoffnung.
Ich begreife Kunst als einen radikalen, kreativen Akt. Eine Form des Denkens, Fühlens und Handelns, die Normen in Frage stellt und neue Möglichkeitsräume eröffnet. Meine Arbeiten widersetzen sich dem gewohnten Blick – jenem male gaze, der über Jahrhunderte hinweg unsere Vorstellung von Weiblichkeit*, Körpern und gesellschaftlichen Werten geprägt hat. Stattdessen suche ich nach neuen Bildern, neuen Narrativen, neuen Perspektiven, die jenen Sichtweisen Raum geben, die in patriarchalen Strukturen systematisch an den Rand gedrängt wurden.
Feminismus bedeutet für mich nicht nur Kritik an bestehenden Verhältnissen, sondern auch das Erschaffen einer neuen Form des Miteinanders. Solidarität, Fürsorge und kollektives Erinnern sind zentrale Elemente meiner Arbeit – genauso wie die Idee, dass Kunst ein Werkzeug sein kann, um Dinge zu benennen, zu verwandeln und zu verbinden. Ich glaube an die Kraft der Gemeinschaft, daran, dass Veränderung im Kleinen beginnt, im Dialog, in der künstlerischen Geste, im geteilten Blick.
In meinen Arbeiten geht es um das Wiederaneignen von Deutungshoheit – über Identität, über Körper, über Geschichte. Ich fühle mich verbunden mit all den Frauen*, trans, nicht-binären und queeren Menschen, die für ihre Rechte gekämpft haben – und es immer noch tun. Diese Verbindung über Generationen hinweg ist für mich zentral: als Anerkennung, als Verpflichtung und als Inspiration.
Ich verstehe meine Arbeit als Teil eines lebendigen, feministischen Netzes: ein Geflecht aus Stimmen, Körpern und Erfahrungen, das sich über Zeit und Raum hinweg verbindet. Dieses Netz ist brüchig und widerständig zugleich. Es trägt das Wissen derer, die vor uns gegangen sind, und den Mut derer, die kommen werden. Kunst wird dabei zu einem Ort des Austauschs, des Widerspruchs und der Solidarität – und vor allem zu einer Einladung: zum Hinsehen, zum Hinhören, zum Mitgestalten.
In diesem Sinne ist Kunst für mich keine bloße Repräsentation – sie ist Handlung, Beziehung, Einladung und manchmal auch Provokation. Sie ist nicht abgeschlossen, sondern offen. Nicht elitär, sondern durchlässig. Und sie entsteht – wie alle Veränderung – immer im Dazwischen: zwischen Ich und Wir, zwischen Erinnerung und Vision, zwischen dem, was ist, und dem, was sein könnte.
